INTEAMATE. Login
← Zurück
Blog

Impulse aus dem Coaching-Alltag

Kurze Gedanken zu Beruf, Veränderung und Zufriedenheit — von Daniel Tauschke
14.10.2026

Alles allein tragen ist keine Stärke. Es ist verantwortungslos.

Es gibt eine bestimmte Haltung, die viele erfolgreiche Menschen kennen: die Überzeugung, dass sie alles schaffen, wenn sie sich nur genug anstrengen. Das ist bis zu einem gewissen Punkt hilfreich. Danach wird es gefährlich. Wer gewohnt ist, sich durch Willenskraft aus jeder Situation zu ziehen, entwickelt eine Blindheit für die eigenen Grenzen. Warnsignale werden ignoriert, Erschöpfung wegrationalisiert, Hilfe wird nicht angefragt, weil das als Schwäche gilt. Diese Haltung funktioniert nur, bis sie nicht mehr funktioniert. Und wenn sie kippt, dann kippt sie meist plötzlich und heftig. Menschen, die jahrelang alles allein bewältigt haben, brechen dann oft überraschend zusammen. Für sich selbst und für ihr Umfeld. Wer klug ist, holt sich Unterstützung, bevor es nicht mehr anders geht. Das ist wirklich keine Kapitulation, sondern strategisches Selbstmanagement.

Weiterlesen
09.10.2026

Feedback ist keine Erlaubnis, die Meinung zu sagen. Es ist ein Handwerk mit Regeln.

Feedback ist einer der überstrapazierten Begriffe im Berufsalltag. Oft wird darunter verstanden, jemandem ungefiltert zu sagen, was man denkt. Das ist manchmal keine Rückmeldung, sondern eher ein Angriff. Konstruktives Feedback folgt anderen Regeln. Es ist konkret, nicht pauschal. Es bezieht sich auf Verhalten, nicht auf Persönlichkeit. Es formuliert die eigene Wahrnehmung, nicht die absolute Wahrheit. "Sie sind unzuverlässig" ist kein Feedback. "In den letzten drei Wochen sind Sie zu vier Meetings zu spät gekommen" ist eine Beobachtung. Der Unterschied macht die Wirkung aus. Wer Feedback als Recht versteht, jemandem die Meinung zu sagen, hat das Konzept nicht verstanden. Rückmeldung soll Entwicklung ermöglichen, nicht Positionen markieren. Das erfordert Vorbereitung und die Bereitschaft, die eigene Deutung als Deutung zu kennzeichnen, nicht als Wahrheit zu verkünden.

Weiterlesen
06.10.2026

Die verkannte Kraft der Langeweile

Wir behandeln Langeweile als Zustand, der zu vermeiden ist. Dabei ist sie oft eine wichtige Information. Wer sich in der Arbeit dauerhaft langweilt, bekommt eine klare Rückmeldung: Diese Aufgabe fordert Sie nicht. Ihre Fähigkeiten werden nicht genutzt. Etwas passt nicht mehr. Das ist keine Kleinigkeit. Chronische Unterforderung führt nachweislich zu psychischen Beschwerden – ein Phänomen, das als Boreout bezeichnet wird. Es ist weniger bekannt als Burnout, aber ebenso ernst zu nehmen. Menschen mit Boreout entwickeln oft dieselben Symptome wie Menschen mit Erschöpfungsdepression, obwohl der Auslöser das genaue Gegenteil ist. Wenn Sie sich in Ihrem Job seit Monaten langweilen, ist das kein Grund zur Selbstkritik, sondern ein Anlass zur Reflexion. Was fehlt Ihnen? Wo würden Sie wieder aufwachen? Überlegen Sie: Langeweile ist kein persönliches Defizit, sondern ein Wegweiser!

Weiterlesen
29.09.2026

Der Preis der Harmoniesucht

Es gibt Menschen, die um jeden Preis Konflikte vermeiden. Sie lächeln, wenn sie ärgerlich sind. Sie stimmen zu, wenn sie ablehnen. Sie schlucken, was andere aussprechen. Das wird oft als soziale Kompetenz missverstanden. Tatsächlich ist Harmoniesucht eine Belastung für alle Beteiligten. Wer nie widerspricht, wirkt zunächst angenehm. Auf Dauer aber unauthentisch, weil niemand weiß, woran er wirklich ist. Konflikte werden nicht vermieden, sondern verlagert – in den eigenen Körper, in schlechte Laune, in stille Entfremdung. Menschen, die Konflikte konsequent vermeiden, entwickeln oft psychosomatische Symptome. Ihr Umfeld spürt oft eine unausgesprochene Spannung, ohne sie benennen zu können. Konfliktfähigkeit ist keine Aggression, sondern sie ist die Fähigkeit, Differenzen respektvoll auszutragen. Das ist durchaus erlernbar und oft die wichtigste Investition in ein tragfähiges Berufsleben.

Weiterlesen
25.09.2026

Warum "authentisch sein" oft schlechter Rat ist

"Sei einfach du selbst" – dieser Ratschlag klingt gut und ist in vielen Situationen problematisch. Menschen sind nicht ein einzelnes Selbst, sondern haben verschiedene Rollen und Aspekte, die kontextabhängig unterschiedlich passend sind. Wer im Bewerbungsgespräch "einfach er selbst" ist und dabei seine Frustration über den letzten Chef ausbreitet, handelt authentisch – und wird nicht eingestellt. Professionalität bedeutet nicht Verstellung, sondern situationsangemessenes Verhalten. Das ist keine Unehrlichkeit. Sie sind zu Hause anders als im Meeting mit dem Vorstand. Das ist normal und gesund. Wer die Fassade komplett fallen lässt, ist nicht authentisch, sondern grenzenlos. Die Frage ist nicht Authentizität oder Rolle, sondern das richtige Maß im richtigen Kontext.

Weiterlesen
Ältere Beiträge laden