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Impulse aus dem Coaching-Alltag

Kurze Gedanken zu Beruf, Veränderung und Zufriedenheit — von Daniel Tauschke
30.10.2026

Objektive Bewertung gibt es nicht. Wer das weiß, agiert klüger.

Jahresgespräche, Leistungsbeurteilungen, Beförderungsentscheidungen – all das wird als objektiver Prozess dargestellt. Ist es aber nicht. Menschen bewerten Menschen, und Menschen sind systematisch verzerrt in ihrer Wahrnehmung. Der Halo-Effekt sorgt dafür, dass ein positiver Eindruck in einem Bereich auf andere Bereiche ausstrahlt. Der Recency-Bias führt dazu, dass die letzten Wochen stärker gewichtet werden als die zehn Monate davor. Sympathie und Antipathie beeinflussen Urteile mehr, als jeder Beurteiler zugeben würde. Wer das weiß, kann sich strategischer positionieren. Nicht durch Manipulation, sondern durch bewusste Sichtbarkeit im richtigen Moment. Wer nur gute Arbeit macht und darauf hofft, dass sie gesehen wird, überlässt die eigene Karriere den kognitiven Verzerrungen anderer. Das ist unklug. Sichtbarkeit ist keine Selbstdarstellung, sondern professionelles Karrieremanagement.

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20.10.2026

Ziele sind einfacher als Richtung. Aber Richtung ist wichtiger als Ziele.

Wir sind darauf konditioniert, uns Ziele zu setzen. Beruflich, privat, sportlich. SMART formuliert, messbar, mit Deadline. Das funktioniert für konkrete Aufgaben. Es funktioniert schlecht für Lebensfragen. Wer sich das Ziel setzt, "in fünf Jahren Führungskraft zu sein", übersieht die eigentliche Frage: Passt diese Rolle wirklich zu mir, oder ist es die nächste erwartete Stufe? Ziele können eine Form von Ausweichmanöver sein. Sie geben Struktur und Handlungsanleitung, machen aber die grundlegende Frage nach dem Was und Warum überflüssig. Manchmal ist die bessere Frage nicht "Was will ich erreichen?", sondern "Wie will ich leben?" Diese Frage ist unbequemer, weil sie sich schlechter operationalisieren lässt. Aber sie führt zu tragfähigeren Entscheidungen. Ziele ohne Klarheit über die Richtung sind wie schnelle Autos ohne Karte.

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14.10.2026

Alles allein tragen ist keine Stärke. Es ist verantwortungslos.

Es gibt eine bestimmte Haltung, die viele erfolgreiche Menschen kennen: die Überzeugung, dass sie alles schaffen, wenn sie sich nur genug anstrengen. Das ist bis zu einem gewissen Punkt hilfreich. Danach wird es gefährlich. Wer gewohnt ist, sich durch Willenskraft aus jeder Situation zu ziehen, entwickelt eine Blindheit für die eigenen Grenzen. Warnsignale werden ignoriert, Erschöpfung wegrationalisiert, Hilfe wird nicht angefragt, weil das als Schwäche gilt. Diese Haltung funktioniert nur, bis sie nicht mehr funktioniert. Und wenn sie kippt, dann kippt sie meist plötzlich und heftig. Menschen, die jahrelang alles allein bewältigt haben, brechen dann oft überraschend zusammen. Für sich selbst und für ihr Umfeld. Wer klug ist, holt sich Unterstützung, bevor es nicht mehr anders geht. Das ist wirklich keine Kapitulation, sondern strategisches Selbstmanagement.

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09.10.2026

Feedback ist keine Erlaubnis, die Meinung zu sagen. Es ist ein Handwerk mit Regeln.

Feedback ist einer der überstrapazierten Begriffe im Berufsalltag. Oft wird darunter verstanden, jemandem ungefiltert zu sagen, was man denkt. Das ist manchmal keine Rückmeldung, sondern eher ein Angriff. Konstruktives Feedback folgt anderen Regeln. Es ist konkret, nicht pauschal. Es bezieht sich auf Verhalten, nicht auf Persönlichkeit. Es formuliert die eigene Wahrnehmung, nicht die absolute Wahrheit. "Sie sind unzuverlässig" ist kein Feedback. "In den letzten drei Wochen sind Sie zu vier Meetings zu spät gekommen" ist eine Beobachtung. Der Unterschied macht die Wirkung aus. Wer Feedback als Recht versteht, jemandem die Meinung zu sagen, hat das Konzept nicht verstanden. Rückmeldung soll Entwicklung ermöglichen, nicht Positionen markieren. Das erfordert Vorbereitung und die Bereitschaft, die eigene Deutung als Deutung zu kennzeichnen, nicht als Wahrheit zu verkünden.

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06.10.2026

Die verkannte Kraft der Langeweile

Wir behandeln Langeweile als Zustand, der zu vermeiden ist. Dabei ist sie oft eine wichtige Information. Wer sich in der Arbeit dauerhaft langweilt, bekommt eine klare Rückmeldung: Diese Aufgabe fordert Sie nicht. Ihre Fähigkeiten werden nicht genutzt. Etwas passt nicht mehr. Das ist keine Kleinigkeit. Chronische Unterforderung führt nachweislich zu psychischen Beschwerden – ein Phänomen, das als Boreout bezeichnet wird. Es ist weniger bekannt als Burnout, aber ebenso ernst zu nehmen. Menschen mit Boreout entwickeln oft dieselben Symptome wie Menschen mit Erschöpfungsdepression, obwohl der Auslöser das genaue Gegenteil ist. Wenn Sie sich in Ihrem Job seit Monaten langweilen, ist das kein Grund zur Selbstkritik, sondern ein Anlass zur Reflexion. Was fehlt Ihnen? Wo würden Sie wieder aufwachen? Überlegen Sie: Langeweile ist kein persönliches Defizit, sondern ein Wegweiser!

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